Montag, 10. Januar 2011

Der Herr war mit Josef

Hallo Zusammen. Ich dachte mir, ich geb Euch mal was aktuelles zu lesen, was mich in den letzten Tagen selbst sehr ins Nachdenken gebracht hat. Meine Predigt von gestern.

Tony Campolo, ein Prediger aus Amerika erzählt in seinem Buch „Party auf Zimmer 210“ folgende Begebenheit: Er war mit seiner Frau auf dem Rückweg einer Predigtreise. Das Sie hatten einen Zwischenstop in Honolulu für fünf Stunden und wollten einen Strandspaziergang machen. An der Promenade entdeckten sie einen seltsam aussehenden Mann. In der einen Hand hielt er eine Bibel und mit der andere zeigte er auf die vorübergehenden Passanten. Er war barfuß, sein Tshirt war dreckig und seine Hose war verschlissen. Jedem der vorbeiging drohte er das Gericht Gottes an, wenn dieser nicht sein Leben mit Gott ins Reine brächte. Tony sagte daraufhin zu seiner Frau: „Typen wie der sind doch eine Blamage für das Reich Gottes! Wer so einem Verrückten sieht, der wird doch eher noch abgeschreckt. Ich finde so etwas immer ganz schön peinlich!“ Nach einer Stunde kamen sie wieder an diesem Mann vorbei. Sie staunten nicht schlecht, als sie bei diesem Verrückten zwei normal aussehende, ordentlich gekleidete Männer standen. Der Mann hatte seine Hände auf sie gelegt. Also Tony und seine Frau vorübergingen hörten sie, wie sie ein Übergabegebet sprachen. Tonys Frau schaute ihn an und sagte: „Und? wie viele Leute hast du heute schon zu Jesus geführt?“

Wie viele Leute habt ihr denn schon heute oder in der letzten Woche zu Jesus geführt?
Vielleicht klingt diese Frage etwas heftig in unseren Ohren. Da mag der eine sagen, ich bin doch kein Evangelist oder Prediger.
Aber wer ist geeignet zu Predigen? Nur so ein verrückter, anscheinend völlig ungeeigneter Mensch? Oder einer von den schicken Fernsehevangelisten, bei denen alles in Ordnung ist? Sind es eher Leute die auffallen? Oder sind es vielleicht doch eher Leute, wie Du und ich?
Die Frage ist: Welche Definition hast du im Kopf, wenn Du das Wort Predigt hörst? Der Heilige Franz von Assisi sagte einmal: „Predige das Evangelium den ganzen Tag lang – wenn nötig auch mit Worten!“
Wäre das nicht eine angemessenere Art und Weise von "Predigt" zu denken? Es bedeutet nichts anderes als: Lebe dein Christsein in dieser Welt.

Ich möchte Josef, den Sohn Jakobs, uns heute in Erinnerung rufen, um mein Anliegen zu verdeutlichen. Viele von Euch kennen seine Geschichte. Dennoch möchte ich ein paar Details in unser Gedächtnis holen.
Josef wird als einer von 12 Söhnen dem Jakob geboren. Er ist der zweit jüngste. Er hat in seinen jungen Jahren nichts anderes zu tun als den Brüdern nach zu spionieren und seinem Vater alles zu petzen, was er gesehen hatte. Ob Jakob das für gute hielt ist nicht bekannt, dennoch ist Josef sein liebster Sohn. Und Josef scheint dies nicht nur zu wissen, sondern auch zu genießen. Zudem hat er auch noch Träume, die ihn scheinbar etwas überheblich werden lassen. So träumt Josef davon, dass seine Brüder und er Getreidegarben zusammen bündeln und sich die Garben seiner Brüder sich um die Garbe von Josef stellen und sich vor ihr verbeugen. Ein anderer Traum geht so ähnlich. Dort verbeugen sich Sonne und Mond und 11 Sterne vor ihm. Dies alles ging den Brüdern zu weit und sie wollten ihn loswerden. Umbringen? Nein, Ruben hat sich schützend vor Josef gestellt. Schließlich entschieden sich die 10 anderen Brüder Josef an eine vorbeireitende Karawane Richtung Ägypten zu verkaufen (1.Mose 37)

In 1.Mose 39, 1-6 steht: 1 Und Josef war nach Ägypten hinabgeführt worden. Und Potifar, ein Kämmerer des Pharao, der Oberste der Leibwächter, ein Ägypter, kaufte ihn aus der Hand der Ismaeliter, die ihn dorthin hinabgeführt hatten. 2 Der HERR aber war mit Josef, und er war ein Mann, dem alles gelang1; und er blieb im Haus seines ägyptischen Herrn. 3 Als nun sein Herr sah, dass der HERR mit ihm war und dass der HERR alles, was er tat, in seiner Hand gelingen ließ, 4 da fand Josef Gunst in seinen Augen, und er bediente ihn persönlich. Und er bestellte ihn über sein Haus, und alles, was er besaß, gab er in seine Hand. 5 Und es geschah, seitdem er ihn über sein Haus bestellt hatte und über alles, was er besaß, da segnete der HERR das Haus des Ägypters um Josefs willen; und der Segen des HERRN war auf allem, was er hatte, im Haus und auf dem Feld. 6 Und er überließ alles, was er hatte, der Hand Josefs und kümmerte sich bei ihm um gar nichts, außer um das Brot2, das er aß. Josef aber war schön von Gestalt und schön von Aussehen.

Was für eine Reise! 450km sind es etwa, die die Reisegruppe zurücklegen muss. Zu Fuß würde man eine knappe Woche laufen, wenn man 24Stunden täglich laufen könnte. Allerdings ist die Wüste Sinai nicht gerade Lebensfreundlich. Gehen wir lieber davon aus, dass es fast einen Monat gedauert hat, bis die Karawane ihr Ziel erreicht hat.

Josef hat viel Zeit, um sich Gedanken zu machen. Man kann sich auch richtig verzehren, wenn man sich einen Monat lang unentwegt über die eigenen schlechten Bedingungen den Kopf zerbricht. Sogar bis zu dem Punkt, an dem man alles hinschmeißen möchte.

Aber was tut Josef? Josef hatten allen Grund dem Leben, ich will's mal etwas salopp ausdrücken, den Stinkefinger zu zeigen. Wenn einer keinen Bock auf das ganze haben dürfte, dann doch Josef. Einst geliebt, dann gehasst, und schließlich verkauft und vor seinem Vater für Tod erklärt. Doch etwas ist in der Zeit, in der Josef nach Ägypten verschleppt wurde mit ihm passiert. Es hat ihn demütig werden lassen. Jetzt war er nicht mehr der Lieblingssohn. Er wurde vom Sockel gerissen. Jetzt war er ein Sklave, ein Diener. Menschen konnten über ihn zu verfügen. Und trotzdem gibt Josef scheinbar nicht auf. Warum? Weil der HERR mit ihm ist. Dies ist der Hinweis den wir im Vers 2 bekommen. Der Herr war mit Josef.

Josef bekam von Gott die Chance, sich von ihm abhängig zu machen. Und es wurde sichtbar, dass der HERR mit Josef war, denn ihm gelang alles was er tat. Er hatte doch Geschick und konnte gut organisieren und verwalten. Die Aufgaben bei Potifar konnte er gut erledigen. Er war ein Mann dem alles gelang. Und er wurde ein Schöner Mann. Schön von Aussehen und von Gestalt.

Hier steht jedoch ein ABER: „Der Herr war mit Josef.“

Nicht weil Josef selbst so ein toller Hausverwalter war ist ihm das alles geglückt. Gott war mit Josef. Das ist der erste entscheidende Punkt. Und der zweite entscheidende Punkt ist: Josef hat seine Situation akzeptiert.

Eine Situation zu akzeptieren ist etwas völlig anderes, als eine Situation hinzunehmen wie sie ist. Eine Situation hinnehmen ist Passiv! Ich lasse alles geschehen, kann ja sowieso nichts ändern! Eine Situation hinnehmen hat einen passiven Charakter. Eine Situation zu akzeptieren, ist dagegen ein aktive, positive Einstellung. Ich akzeptiere meine gegenwärtige Situation und gestalte sie aktiv mit. Ich nutze die Möglichkeiten, die sich mir in dieser Situation bieten. Josef akzeptiert seinen Platz, seine Situation als Diener. Und als Diener tut alles in seiner Macht stehende. Josef nimmt es an, ein Diener zu sein.

Im aktuellen Narnia-Film, Die Reise auf der Morgenröte, gibt es gegen Ende eine spannende Erkenntnis von König Kaspian, dessen Vater ermordert wurde. Sein Leben lang hat er seinen Vater gesucht. Er steht kurz davor wieder mit seinem Vater vereint zu sein, doch dafür muss er sein Leben, sein Königreich und seine Freunde zurücklassen. Daraufhin entscheidet er sich noch nicht zu seinem Vater zu gehen. Denn lange Zeit hat er versucht zu bekommen, was ihm genommen wurde. Jetzt will er sich dem zuwenden, was ihm anvertraut ist.

Josef hat sich auch dafür entschieden, nicht dem nachzutrauern, was ihm genommen wurde, sondern sich dem zuzuwenden, was ihm anvertraut ist. Er ist im Kleinen treu. Und er hält zu Gott.

Ich möchte meinen Platz einnehmen, wo Gott mich hingestellt hat. Für mich bedeutet das, Gott hat mich nach Wolfsburg geschickt. Und mein Dienst besteht darin, Euch auf dem Weg zu begleiten den Gott mit uns gemeinsam gehen will. Ich bin ein Diener der Gemeinde. Und ich möchte aktiv daran beteiligt sein und sehe die Möglichkeiten und Chancen die in der Gemeinde hervorbrechen.

An welchen Ort hat Gott dich hingestellt? In welcher Situation findest Du dich persönlich wieder? Bist du bei VW angestellt, oder Rentner, bist Du Teil einer tollen Familie oder nerven dich die Verwandten? Bist Du Student, bist Du Nachbar, bist Du Kind, bist du Vater, Mutter Großeltern? Bist Du Gemeindemitglied?

An welchen Ort hat Gott dich hingestellt?

Im Predigttext gibt es noch einen Satz, eigentlich ein Nebensatz, der für mich zum Hauptsatz geworden ist. Vers 5 lautet: Und es geschah, seitdem er ihn über sein Haus bestellt hatte und über alles, was er besaß, da segnete der HERR das Haus des Ägypters um Josefs willen; und der Segen des HERRN war auf allem, was er hatte, im Haus und auf dem Feld.

Habt ihrs gehört? dort steht: da segnete der HERR das Haus des Ägypters um Josefs Willen! Das ist etwas sehr entscheidendes. Josef akzeptiert seine Situation und gestaltet sie aktiv mit. Und zwar, weil er Gott treu ist und weil er im Kleinen treu ist. Nämlich über das, was ihm der Ägypter anvertraute. „Da segnete der HERR das Haus des Ägypters um Josefs Willen!“ Gott segnet den Ägypter, weil er einen treuen Jünger Gottes bei sich im Haus hat.

Auf uns übertragen bedeutet das: Mein aktives Ausleben als Christ hat Auswirkungen auf mein Umfeld. Gott segnet unser Umfeld, einfach weil wir da sind. Vielleicht fällt uns das nicht auf. Aber er segnet unser Umfeld, weil wir uns zu Christus bekennen. Was kann es denn beeindruckenderes geben?

Jetzt stell dir mal vor, was das in deiner Situation bedeutet. Gott segnet deine Abteilung, jeden einzelnen, weil Du als bekennender Christ, im Kleinen treu, dort arbeitest. Was bedeutet dies in deiner Situation mit deiner Familie? Gott segnet deine Familie, weil Du Gott treu sein möchtest. Gott segnet deine Nachbarn oder die Menschen, die Du besuchst, einfach weil Du da bist. Gott segnet, um Deinetwillen. Es geht nicht darum, dass Du viel arbeitest oder Weihnachten für die ganze Familie tolle Geschenke hast. Nein. Gott segnet, weil du dich für Jesus entschieden hast. Auch wenn Du denkst, du kannst nicht predigen, denke an Franz von Assisi. Wenn Du dort, wo Du bist, dich zu Jesus bekennst und im Kleinen treu bist, ist schon viel mehr gesagt, als es die ganzen Predigten von hier vorne je gekonnt hätten. Predige das Evangelium den ganzen Tag lang – wenn nötig auch mit Worten. Das ist, was Josef dem Ägypter Gutes getan hat. Er war ihm treu.

Ein kleine Geschichte habe ich gefunden die das ganze gut zusammenfasst.

John Kenneth Galbraith, ein Berater von einigen Präsidenten in den USA hat in seiner Autobiografie eine kleine Episode über seine Haushälterin geschrieben. John Galbraith hatte einen schweren Arbeitstag hinter sich und bat seine Haushälterin, ob Sie bitte die ganze Telefonanrufe entgegen nehmen und ausrichten könnte, dass er im Moment nicht zu sprechen sei, er würde gern ein Nickerchen machen. Kurz danach klingelte das Telefon. Lyndon Johnson, damaliger Präsident, rief direkt vom Weißen Haus an und sagte: „Geben Sie mir Ken Galbraith. Hier ist Lyndon Johnson.“ „Er schläft gerade Mr. President. Er sagte, er möchte nicht gestört werden.“ „Tja, dann wecken Sie ihn eben, ich muss mit ihm reden!“ „Nein Mr. President, ich arbeite für ihn, nicht für Sie!“ Als John Galbraith hinterher davon erfuhr rief er sofort den Präsidenten zurück und wollte sich entschuldigen für die Dreistigkeit seiner Haushälterin. Doch der Präsident konnte seine Freude kaum verbergen und sagte: „Wer ist diese Frau? Sag ihr, ich möchte sie hier im Weißen Haus haben!“

Die Haushälterin war treu im kleinen. Und wäre zum Großen berufen worden.

An welchen Ort hat Gott dich hingestellt? Welche Aufgaben begegnen Dir dort. Einen Ort kann ich Euch schonmal nennen. Gott hat Euch in die Gemeinde gestellt. Wir können die Situation hinnehmen und sagen, ja so isses und hier geht’s nicht vorwärts und da klemmt's. Aber wenn wir, wie Josef die Situation akzeptieren, dann erkennen wir die Aufgaben und gestalten unser Gemeindeleben aktiv mit.

Ich bin gespannt welche Entdeckungen wir machen werden, wenn uns wirklich klar wird, dass Gott unser Umfeld, und damit auch uns segnen möchte, einfach weil wir unsere unterschiedlichen Situationen akzeptieren und in ihnen leben. Als Christusnachfolger. Gott segnet unsere Kollegen, unsere Nachbarn, unsere Familien, unsere Freunde einfach, aus Liebe zu uns und aufgrund unserer Entscheidung unsere Situation zu akzeptieren und ihm treu zu sein.

Amen

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Finde die Predigt ganz gut und herausfordernd und doch zugleich genau in die Richtung, die mir auch vor kurzem wieder bewusst geworden ist. Danke, für´s reinstellen. ;-)

der.hejgen hat gesagt…

Freu mich, dass die Predigt dich herausfordert. Mir geht es genauso.

Anonym hat gesagt…

Amen dazu, Bruder in der Ferne ;-) Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das im Gebet beginnt. Bete für Gelegenheiten zu "predigen" und der Herr wird sie schenken. Gruß aus Karlsruhe, MZ