Wie glaube ich richtig?
Liebe Freunde,
es gibt Momente da möchte man einfach nur genießen. Und es gibt andere Momente, da möchte man seinen Gästen nur Gutes tun. Und dann gibt es Momente in denen es beides gibt. Auf der einen Seite möchte man diesen Moment genießen, auf der anderen sollen die Gäste auch versorgt sein. Wie entscheidet man sich?
Habt Ihr schon mal die TV-Sendung „Das perfekte Dinner“ geschaut? In der Sendung ist in der Regel eine Gruppe von fünf Personen eine Woche lang untereinander zum Essen eingeladen. Jeder versucht das Beste zu kochen, was er kennt. Zum Schluss sollen die anderen vier, die zu Gast waren, mit Ziffernkärtchen Punkte verteilen. Von 1-10 kann man Punkte geben. Was mir öfter schon aufgefallen ist: Manche Gäste würden für das Essen eine volle 10 geben, aber dann tun sie es nicht. Ihnen war die Präsenz des Gastgebers auch wichtig. Allerdings war er kaum anwesend, weil er seinen Gästen ja das perfekte Dinner kochen wollte. Tja Pech gehabt! Dafür gibt es dann vielleicht noch 8 höchstens 9 Punkte.
Auch im echten Leben, ist es schwierig beides zu können. Muss man sich jetzt entscheiden?
Wie glaube ich richtig? ist das Thema dieser Predigt. Und in den letzten Tagen habe ich auch ein paar andere Leute diese Frage gestellt.
Ich selbst versuche dann immer in der Bibel nach Antworten zu finden. Und wenn ich die Bibel aufschlage mit der Frage „wie glaube ich richtig?“, dann stoße ich Bibelverse, in denen es darum geht wie ich leben sollte. Im Galaterbrief im Neuen Testament, in vier Versen, stehen 15 Dinge von denen ich mich fern halten sollte und 9 Dinge, die ich tun sollte. Da stehen dann Begriffe wie:
Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen.
Und dort steht noch, dass Leute, die das tun, nicht das Reich Gottes erben werden.
Weiter stehen da noch Vokabeln wie: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.
Wie glaube ich richtig? Ich könnte jetzt versuchen mich an all das zu halten. Das würde mich ja bestimmt zu einem guten Menschen machen. Das Problem ist nur, das versuchen eigentlich alle Menschen. Außerdem sind diese Begriffe in den Gesetzen unseres Landes verarbeitet. Jeder der hier lebt, sollte sich auch an die Gesetze halten.
Ich persönlich möchte eigentlich, dass mein Leben einen Unterschied macht. Aber wenn ich auch nur nach den Gesetzen meines Landes lebe, in denen viele Gebote der Bibel eingearbeitet wurden, dann mache ich keinen Unterschied. Was ist es also? Wie glaube ich richtig? Glaube ich richtig, wenn ich versuche zu halten, was in der Bibel steht? Es ist zumindest nicht schlecht, aber dies versucht eigentlich jeder.
Ich möchte Euch fünf Zitate über den Glauben nennen. Und ich bitte Euch einfach zuzuhören, und auf die Zitate zu achten. Ihr dürft Euch gern die Frage dabei stellen, in wie fern Euch diese Zitate helfen die Grundfrage zu beantworten.
„Wahre Religion ist gebaut auf das Wahre, das Gute in der Menschennatur, nicht auf der Sünde Morast.“ Ludwig Feuerbach
„Es gibt sehr viele Leute, die glauben - aber aus Aberglauben.“ Blaise Pascal
„Ich war schon oft draußen im Weltraum", protzte der Kosmonaut, "aber ich habe weder Gott noch Engel gesehen." - "Und ich habe schon viele kluge Gehirne operiert", antwortete der Gehirnforscher, "aber ich habe nirgendwo auch nur einen einzigen Gedanken entdeckt.“ Jostein Gaarder
„Der Glaube macht selig: folglich lügt er.“ Friedrich Nietzsche
„Zu glauben ist schwer. Nichts zu glauben ist unmöglich.“ Victor Hugo
Nun habt ihr die Zitate gehört, wie wirken sie auf Euch? Waren diese Aussprüche kluger Menschen hilfreich? Wie glaubt man richtig?
Es gibt eine tolle Geschichte in der Bibel, die uns helfen kann, auf eine Antwort zu kommen. Und ich bin sicher, dass viele sie schon oft gehört haben. Und trotzdem ist sie eine meiner liebsten Geschichten.
Lukas 10,38-42 (REB)
38 Es geschah aber, als sie ihres Weges zogen, daß er in ein Dorf kam; und eine Frau mit Namen Marta nahm ihn auf. 39 Und diese hatte eine Schwester, genannt Maria, die sich auch zu den Füßen Jesu niedersetzte und seinem Wort zuhörte. 40 Marta aber war sehr beschäftigt mit vielem Dienen; sie trat aber hinzu und sprach: Herr, kümmert es dich nicht, daß meine Schwester mich allein gelassen hat zu dienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfe! 41 Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta! Du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; 42 eins aber ist nötig. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das nicht von ihr genommen werden wird.
Wir sind beim perfekten Dinner. Marta hat Jesus und seine Gefährten zu sich eingeladen. Inzwischen hatten sie sich gesetzt und unterhielten sich. Martas Schwester Maria fand es so spannend, was Jesus zu sagen hatte. Sie setzte sich zu den Füßen von Jesus und lauschte seinen Worten. Marta ist gar nicht davon begeistert. Schließlich will sie für Jesus ein perfektes Dinner veranstalten. Irgendetwas gefällt aber Marta nicht an dem Verhalten ihrer Schwester. Entweder denkt sie, dass ihre Schwester nichts bei den Gästen zu suchen hat, vielleicht war sie ja die kleine Schwester oder sie hatte so viel zu tun, dass sie ihre Hilfe braucht. Vielleicht erkennt Ihr Frauen Euch in dieser Geschichte ein wenig wieder. Und ich glaube sogar, dass ihr Euch in beiden Figuren wiedererkennt. Jedenfalls möchte Marta, dass Maria hier scheinbar nicht nur faul herumsitzt, sondern dass sie ihr gefälligst in der Küche hilft. „Es kann nicht sein, dass ich der einzige bin, der den Gästen alles zu ihrem Wohlgefallen tut“, könnte Marta gedacht haben.
Da tun wir unser Bestes und ackern. Viele von Euch sind schon Jahrzehnte in der Gemeinde. Ihr liebt sie und ihr dient ihr von ganzem Herzen. Die Gemeinde ist euer zu Hause. Aber hin und wieder denkt ihr, dass andere ja auch noch da sind, die können ja auch mal was tun. Oder manche sagen vielleicht, die oder den sehe ich jede Woche hier im Gottesdienst, aber an der Gemeinschaft nehmen sie nicht teil. Oder in den Familien gibt es Uneinigkeit. Und dann fangen wir an zu beten, dass doch der andere die Arbeit oder die Not doch auch mal sehen muss und endlich mit anpackt.
Ich kenne auch solche Gedanken. Und die haben mich auch in der letzten Zeit beschäftigt. Und diese Anfrage von eben ist auch berechtigt, WENN sie begründet ist. Es gibt viele, die denken, dass sie für Jesus leben. Und sie tun eine Menge für IHN. Und sie sehen die Probleme in ihrem Umfeld und sorgen sich darum. Sie haben ganz schon viel zu tun, FÜR Jesus. Können sie aber auch Jesus etwas tun lassen?
Es ist toll, wenn sich Leute engagieren. Das ist nicht selbstverständlich. Und ich bin dankbar dafür.
Ich stelle mir selbst oft die Frage: Tue ich es FÜR Jesus oder wäre es besser MIT ihm gemeinsam?
Das perfekte Dinner läuft und Marta möchte ihre Schwester auch dazu bringen, Gastgeber zu werden. Und bittet Jesus, dass er sie ermahnt, damit sie ihr endlich hilft. Hier versucht jemand einen interessierten Menschen von Jesus wegzuziehen. Mit einem frommen Wunsch, mit einer frommen Bitte, könnte man sagen. Es ist doch für das Wohl.
Vorsicht!
Jesus lässt es nicht zu. Jesus sagt: Marta, Marta! Du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; 42 eins aber ist nötig. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das nicht von ihr genommen werden wird.
Es gibt spannende Parallelstellen zu diesem Thema: Zum Beispiel:
Johannes 6,27 (REB)
27 Wirket nicht
Oder: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, dann wird euch alles zufallen. Mt6,33
Jesus sagt: Maria hat das gute Teil erwählt. Wieso? Ich finde es ziemlich provokant, zumal wir heutzutage in einer Leistungsgesellschaft leben. Es geht sehr um den Wert der Arbeit. Wenn jemand nicht arbeitet, wird er gleich mit Tipps bombardiert, was er denn tun könne, um einen geeigneten Job zu finden. Wenn man für eine Arbeit kein Geld bekommt, dann ist sie weniger wert. Aber die Frage, warum man keinen konventionellen Beruf ausübt, wird in der Regel nicht gestellt. Beim Lesen dieses Textes kann man eigentlich nur Fragezeichen im Kopf haben.
Maria hat deshalb das gute Teil erwählt, weil sie die Gemeinschaft mit Jesus gewählt hat. Du kannst die ganze Zeit, dein ganzes Leben für Jesus leben und so beschäftigt sein wie Marta. Aber hast du dann Gemeinschaft mit Jesus? Hier geht es nicht um Religion. Religion ist immer das Zufriedenstellen einer Gottheit aus eigener Leistung. Hier geht es um Beziehung. Und zwar zuerst. Die Beziehung, das sich-zu-den-Füßen-Jesu-setzen ist Anteil an Jesus haben.
Denkt an die Zeit mit Eurem Ehepartner, mit Euren Freunden, guten Nachbarn. Habt ihr Euch besser kennengelernt, wenn ihr keine Zeit mit ihnen hattet? Ich glaube nicht.
Maria erwählte das gute Teil, weil sie in die Ruhe Gottes gelangt. Sie verbringt Zeit MIT ihm und lebt nicht für ihn.
Manchmal scheint es so, als sei man faul oder komisch drauf, wenn man Zeit mit Jesus verbringt. Oder wenn man sein Leben nach Jesus ausrichtet und es so ganz anders aussieht, als das Leben und die Sicht auf Arbeit, wie es sich die Gesellschaft denkt. Es gibt aber unterschiedliche Weisen mit Jesus seine Zeit zu verbringen. Das ist nicht nur Morgens ein Blick in die Losung und ein Tischgebet. Manche Menschen gehen spazieren, mit Jesus. Oder trinken einen Kaffee mit Jesus. Das macht man mit guten Freunden doch auch. Und wenn Jesus selbst sagt: Der Menschensohn ist nicht gekommen um bedient zu werden, sondern um zu dienen... dann können wir uns auch darauf verlassen, dass das stimmt und zur Ruhe kommen.
Jesus will doch was für uns tun. Ich denke nicht, dass sein Handeln mit dem Kreuz vorbei ist. Jesus will Dir dienen. Glaubst du das? Jesus möchte, dass Du Ruhe bei ihm findest und er mal was für dich tun kann. Bei Jesus geht es immer um Beziehung. Und eine Beziehung vertieft man, in dem man Zeit miteinander verbringt.
Im Hebräerbrief 4,10 steht: Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ist auch zur Ruhe gelangt von seinen Werken wie Gott von seinen eigenen.
Im 2. Mose 14,14 steht: Der Herr wird für euch kämpfen, ihr müsst nur still sein.
Das fällt uns ziemlich schwer oder? Still sein, ausruhen, ruhig werden.
Wenn ihr euch engagiert ist das echt großartig. Aber ich möchte euch fragen aus welchen Motivation? Tust du es aus der Beziehung zu Jesus heraus und nimmst Ihn bei jedem Vorhaben mit ins Boot? Oder sagst du dir: „Ach, dass kann ich auch alleine schaffen, da brauch Jesus nicht ran.“
Ich kann Dir nur raten: nimm Jesus mit in deine Vorhaben hinein. Trau ihm auch das kleine zu. Verlass dich nicht nur auf deine Kräfte, die könnten manchmal schneller aufgebraucht sein, als du denkst.
Wie glaube ich richtig?
Die Antwort lautet: Gott hat dich geliebt und will Beziehung mit dir haben. Deshalb ist er Mensch geworden und hat alles aus dem Weg geräumt, was zwischen Euch stand. Er möchte gern, dass Du sein Liebesangebot annimmst und die Beziehung mit ihm führst.
Wenn Du das in deinem Herzen annehmen kannst, dann glaubst du richtig. Mehr gibt es nicht.
Amen
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